Dragonmoon
oil / canvas
50 x 60 cm

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In melancholischer Eleganz bestritt die Nachtgöttin ihre Bahn, sandte Botschaften in Nebellichtfingern aus, zu zart, um menschlicher Wehr zu erliegen, durchdringend, unaufhaltsam, bis in die Tiefen der Herzen, in nachtglimmende Seelen. Dunstkobolde schlichen sich durch Fenster und Türritzen, über Luftschichten und aufblitzende Staubpartikel bis zu den Menschen, die ahnungslos in ihren Träumen verfangen, ihnen zum Opfer fielen. Sie stahlen sie sich in Herzen, brachten sie zum Klingen. Menschen schreckten in diesen Nächten aus ihrem Schlaf. Von einer unstillbaren Sehnsucht getrieben, verließen sie ihr Bett, ihr Schlafzimmer, wandelten unruhig umher, grübelten, verfielen den Schwingungen ihres Herzens, den Gezeiten des Mondes, und taten Dinge, die in der vollkommenen Bewusstheit der Sonne verblassten, doch nicht mehr ausgelöscht werden konnten, die Lawinen ins Rollen brachten, Gefühle mitrissen, Erinnerungen, Taten, die sich schließlich auftürmten und dem Menschen aufdrängten, bis dieser sich nur noch den monderfüllten Nächten verwandt fühlte, sich nach derer Kristallatmosphäre sehnte, den Tag, die Sonne verabscheute und Dinge erspann, wie sie nur in diesen besonderen Nächten entstehen können, ihnen Leben einhauchte und sie mit Macht und der Energie einer zärtlichen Grausamkeit nährte, bis sie aus dieser absorbierten Liebe ein eigenständiges Leben entwickelt hatten und sich fortpflanzten, die Welt überschwemmend, lauernd in jedem dunklen Winkel, jeder Ahnung eines Dunstes, jedem Schatten, den die Sonne nicht zu erreichen vermochte. Sie lebten anders als die Menschen, nicht wahrnehmbar in menschlicher Ignoranz und Grobstofflichkeit. Sie waren Wesen aus Nebel und Eis, Licht, das noch keines war, durchdrungen von Sehnsucht. In dieser Nacht, als der Mond seine Fülle erreicht hatte und das Licht der Sterne um sich herum auslöschte, brachen diese Wesen los, erinnerten sich ihrer Herkunft, manche nahmen menschliche Erscheinung an, trieben ihren Schabernack in den Seelen der Sterblichen und amüsierten sich, bis die ersten Strahlen der Sonne sie wieder verdrängten, ihrer Lebenskälte ein tödlich warmes Licht entgegen sandten, auf dass sie sich noch rechtzeitig in ihre Welt zurückziehen konnten und nicht Opfer der unbarmherzigen Engelsschwerter wurden, die nun über das Land glitten und Tänze auf verträumten Menschengesichtern aufführten. Diese Narren, die Macht der Finsternis ignorierend, in Sonnentagen weilend, unwissend des Zaubers der Nacht und ihrer Göttin. Sie ahnen nicht, wie gedankenlos sie leben in kurzen Perioden einer Illusion inmitten des Reichs der Nacht. (extract from: Nomis Nait: Nachtbann)